
Drei Wochen zwischen Pazifik und Karibik — Altstadt, Vulkankrater, Hochland-Kaffee und ein Bungalow über dem Riff.
Sieben Kapitel, fünf Regionen, ein Land.
Von der kolonialen Altstadt über einen bewohnten Vulkankrater und das Kaffeehochland bis zu den Inseln der Karibik. Wir sind gerade unterwegs — dieser Bericht wächst mit der Reise. Alle paar Tage kommt ein Kapitel dazu, samt Bildern und dem, was unterwegs hängengeblieben ist.
Panama-Stadt ist vermutlich die einzige Hauptstadt der Welt, in der die Ruinen einer 500 Jahre alten Stadt und eine Skyline aus Glastürmen im selben Blickfeld liegen. Dieser Kontrast prägt alles hier — und er war unser stärkster erster Eindruck.
Die Geschichte lässt sich an zwei Orten ablesen. Panamá Viejo, 1519 gegründet, war die erste spanische Stadt am Pazifik und Umschlagplatz für das Gold aus Peru. 1671 brannte der Freibeuter Henry Morgan sie nieder. Zwei Jahre später bauten die Spanier zwei Kilometer westlich neu, auf einer besser zu verteidigenden Halbinsel: das heutige Casco Viejo, wo wir vier Nächte wohnten.
Das Gelände von Panamá Viejo ist riesig und gut aufgearbeitet — man kann sich die Stadt tatsächlich vorstellen. Wir sind den alten Turm hinaufgestiegen und haben dort oben Fledermäuse gefunden, überraschend große. Von den Mauern sieht man dann beides gleichzeitig: verwitterten Bruchstein im Vordergrund, die Hochhäuser von Punta Pacifica am Horizont.
Hier hat uns auch die tropische Hitze zum ersten Mal richtig erwischt. Nicht die Temperatur allein — es ist die Feuchtigkeit, die drückt. Nach dem Aufstieg waren wir deutlich fertiger, als der Weg es vermuten ließ. Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt.
Panamá Viejo war ab 1519 der Umschlagplatz für das Silber und Gold, das aus Peru kam und von hier über den Isthmus zur Karibikküste gebracht wurde. Das machte die Stadt sagenhaft reich — und zum Ziel.
1671 zog der walisische Freibeuter Henry Morgan mit rund 1.400 Mann über den Isthmus. Die Stadt ging in Flammen auf; ob die Angreifer sie anzündeten oder die Verteidiger selbst, ist bis heute umstritten. Was blieb, waren die Ruinen, die man heute besichtigt.
Die Spanier bauten zwei Jahre später neu — diesmal auf einer Halbinsel mit Stadtmauer. Beide Orte, Panamá Viejo und Casco Viejo, gehören heute zum UNESCO-Welterbe.
Die Miraflores-Schleusen sind der zugänglichste Punkt am Kanal. Vom Besucherzentrum aus sieht man Schiffe, die die Kammer fast vollständig ausfüllen.
Was einen dort wirklich packt, ist die Ingenieursleistung — und was ihr vorausging. Schon 1698 versuchten Schotten, sich am Isthmus festzusetzen; das Unternehmen scheiterte so gründlich, dass es Schottland an den Rand des Ruins brachte. Die Spanier suchten jahrhundertelang nach einem Weg über die Landenge. Die Franzosen begannen 1881 mit dem Kanalbau und gaben nach acht Jahren und rund 22.000 Toten auf. Erst die USA brachten das Werk zwischen 1904 und 1914 zu Ende — und übergaben den Kanal 1999 an Panama.
Diese Nähe zu den Vereinigten Staaten prägt das Land bis heute. Man zahlt mit US-Dollar, man trifft überall Amerikaner, und man spürt eine Verbundenheit, die weit über Handelsbeziehungen hinausgeht. Panama war immer schon transatlantisch ausgerichtet — und das macht es als Besucher angenehm zugänglich.
Womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten: ein vollausgestattetes IMAX-Kino mitten im Besucherzentrum. 45 Minuten Film, 3D, bester Sound — und man holt sich vorher Popcorn wie in einem normalen Kino. Die Produktion hält jeder großen Naturdokumentation stand. Unbedingt einplanen.
Rund 14.000 Schiffe passieren den Kanal jedes Jahr. Ein einziger Schleusenvorgang verbraucht etwa 200 Millionen Liter Süßwasser — es kommt aus dem Gatúnsee und fließt anschließend ins Meer. Deshalb ist der Kanal in Dürrejahren unmittelbar bedroht.
Bis 2016 bestimmte der Kanal sogar den weltweiten Schiffbau: „Panamax" hieß die Größe, die gerade noch durch die Kammern passte. Seit der Erweiterung gibt es „Neopanamax" — und die alten Schleusen von Miraflores wirken daneben fast zierlich.
Nebenbei, im Grün vor dem Besucherzentrum: unser erster Kolibri. Ein Flimmern, drei Sekunden, weg. Die ersten von vielen.
Dass man vom ersten Moment an merkt, in Lateinamerika zu sein — und zwar nicht nur wegen der Wärme. Es ist der entschleunigte Rhythmus, in dem hier Dinge geschehen. Und wie freundlich Menschen reagieren, wenn man selbst freundlich auftritt.
Was uns dabei besonders gefallen hat: Es ist eine andere Welt und eine andere Kultur — und trotzdem eine zutiefst christlich geprägte. Sonntags sind die Kirchen hier voll. Diese Kombination war uns von Anfang an sympathisch.
Zwei Stunden westlich von Panama-Stadt führt die Straße bergauf, wird eng und kurvig, und die Luft wird spürbar kühler. Oben liegt El Valle de Antón — ein Dorf mitten im Krater eines erloschenen Vulkans. Der Kessel misst rund sechs Kilometer im Durchmesser und gehört zu den wenigen bewohnten Vulkankratern der Welt.
Die Strecke selbst ist kein Selbstläufer. Auf den Krater hinauf und wieder hinunter geht es in engen Serpentinen, und die Einheimischen sind das Fahren in den Bergen ganz anders gewohnt. Wer sich vorausschauend und eher zurückhaltend verhält, kommt gut durch — Spaß macht es sowieso. Aber es ist eine Strecke, die man nicht nebenbei fährt.
El Valle liegt in der Caldera des Valle-de-Antón-Vulkans, die vor etwa 1,1 Millionen Jahren entstand, als der Gipfel bei einem gewaltigen Ausbruch in sich zusammenbrach. Der Kessel füllte sich anschließend mit Wasser — der Kratersee blieb rund eine halbe Million Jahre, bis der Rand an einer Stelle brach und der See auslief. Zurück blieb ein flacher, extrem fruchtbarer Talboden auf 600 Metern Höhe.
Genau das erklärt beides: warum hier überhaupt jemand wohnt — und warum es angenehm kühl ist. Bewohnte Vulkankrater dieser Größe gibt es weltweit nur eine Handvoll.
Wir sind mitten in der Regenzeit hier, und die ist deutlich freundlicher als ihr Ruf. Vormittags ist praktisch immer Sonne — stabil, um die 30 Grad. Nachmittags nieselt es dann ab und zu. Nicht das Unwetter, das man erwartet, eher eine kurze Unterbrechung. Regencapes haben wir trotzdem noch nachgekauft; die waren die richtige Entscheidung.
Der Krater ist dabei die Ausnahme: Abends sind es hier oben 23 bis 24 Grad mit einer Brise. Max fand das sehr angenehm, Charlotte schon fast frisch. An der Küste sind es durchgehend gute 30 Grad, gerne auch mal 35.
Die India Dormida — der Bergrücken, dessen Silhouette an eine schlafende Frau erinnert — ist die Wanderung von El Valle. Wir haben sie bewusst ausgelassen. Der Reiz der Tour ist der freie Blick von oben ins Tal, und in der Regenzeit war es schlicht zu bewölkt. Man steht dann nicht über dem Krater, sondern schaut in Wolken hinauf und ärgert sich, dass die Aussicht fehlt, für die man hochgelaufen ist.
Also die andere Richtung: hinein in den Wald.
Der Weg zum Wasserfall Chorro El Macho ist kurz und gut befestigt — mit Geländern und genug Möglichkeiten, sich festzuhalten, denn rutschig wird es schon. Genau das macht ihn geeignet für alle, die noch nie in einem Regenwald waren. Man ist ein Stück weit geschützt und erlebt trotzdem zum ersten Mal echten Dschungel, echten Regenwald. Für uns war das der beeindruckendste Moment der Etappe.
Der Fluss, der vom Wasserfall kommt, wird weiter unten aufgestaut. Dort kann man baden — in einem aufgestauten Fluss, mitten im Dschungel, im Vulkankrater, während es ab und zu leicht nieselt. Das Wasser ist sehr frisch, aber genau deshalb eine gute Abkühlung. Am Sonntag gegen halb elf war es dort schon voll, der Spot ist bekannt. Wir sind am Montagmorgen um halb neun wiedergekommen — und hatten ihn für uns allein. Unter einem Wasserfall im Dschungel allein zu baden, ist etwas Besonderes.
Der Goldfrosch (Atelopus zeteki) ist Panamas Nationalsymbol — er steht auf Lottoscheinen, Souvenirs und in jedem Hotel. In freier Wildbahn gilt er seit 2009 als ausgestorben; ein eingeschleppter Pilz, der Chytridpilz, hat die Bestände innerhalb weniger Jahre vernichtet. El Valle war einer seiner letzten Rückzugsorte.
Überlebt hat er nur in Zuchtstationen — eine davon liegt hier im Ort. Am 14. August ist offizieller Día Nacional de la Rana Dorada. Wir sind an dem Tag noch im Land.
El Valles Kunsthandwerksmarkt ist der bekannteste des Landes, und sonntags ist er am größten. Er ist beides gleichzeitig: touristisch, weil vieles für Besucher gemacht ist — und lokal, weil die Einheimischen selbst da sind. Sonntagvormittag ist die Kirche voll, danach gehen alle über den Markt und in die kleinen Restaurants ringsherum zum Mittagessen.
Was uns aufgefallen ist: Niemand bedrängt einen. Kein „kauf hier, kauf hier". Man wird freundlich gegrüßt, und wer etwas will, wird freundlich bedient — man merkt, dass sie sich freuen. Unangenehm, wie man es von Märkten anderswo auf der Welt kennt, war es hier an keiner Stelle.
Und hier haben wir den Hut gefunden. Für 75 Dollar — den echten panamaischen, den Sombrero Pintao. Die Wirkung ist erstaunlich: Einheimische, die ihn sehen, sind sichtlich entzückt, dass wir den richtigen tragen und nicht das ecuadorianische Modell. Kein Souvenir hat auf dieser Reise mehr Türen geöffnet.
Der weltberühmte „Panama hat" wird seit jeher in Ecuador aus den Fasern der Toquilla-Palme geflochten. Den Namen bekam er nur, weil Panama im 19. Jahrhundert der Umschlagplatz war: Die Hüte gingen über den Isthmus in die Welt, und die Käufer benannten sie nach dem Hafen, nicht nach der Werkstatt. Endgültig festgeschrieben hat das Theodore Roosevelt, der sich 1906 auf der Kanalbaustelle mit einem solchen Hut fotografieren ließ. Die UNESCO führt das ecuadorianische Flechthandwerk seit 2012 als immaterielles Kulturerbe.
Panamas eigener Hut ist ein anderer: der Sombrero Pintao aus der Provinz Coclé, in der El Valle liegt. Er wird aus fünf verschiedenen Pflanzenfasern geflochten, die dunklen Ringe entstehen durch Färben mit Pflanzensud und Schlamm — nicht mit Farbe. Ein guter Hut braucht Wochen. Seit 2017 steht auch er auf der UNESCO-Liste. Dass Besucher den Unterschied kennen, kommt selten genug vor, dass es jedes Mal auffällt.
Unser Hotel, La Compañía del Valle, stand so in keinem Reiseführer. Skulpturen überall — nicht nur im Garten, sondern auf jedem Flur, an jeder Ecke ein Blickfang, auch einiges Komische dabei. Anfangs dachten wir, das könnte kitschig werden. Wurde es nicht; es war eigentlich sehr interessant.
Fünf Sterne, keine Frage, aber ein anderer Typ Haus als das Sofitel in Panama-Stadt — eher ein Spa-Hotel als klassisch-edel. Der schönste Platz war die Bar: sitzen und auf die Bäume und die Berge des Kraterrands schauen.
Gegessen haben wir oben am Kraterrand, im Las Nubes. Riesige Fensterfronten, durch die man in den Krater hinunter auf das Dorf schaut. Dort sollte man unbedingt reservieren — wir waren kurz vor zwölf da, hatten unverschämtes Glück mit einem freien Tisch, und das Personal hat ihn extra noch schnell für uns fertig gemacht.